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Der Steinkauz - kleine Eule mit großen Sorgen

Der Steinkauz (Athene noctua) zählt zu den kleinsten und zugleich bedrohtesten Eulenarten in Deutschland. Im Gegensatz zu seinen auf spezielle Waldgebietstypen orientierten, ebenfalls kleinen Verwandten Rauhfußkauz und Sperlingskauz - beide zumindest in Niedersachsen auch sehr selten - bevorzugt der Steinkauz abwechslungsreiche, reich strukturierte Landschaften, gerne auch in Ortsnähe oder bei Einzelgehöften. Gerade seine hohen und vielfältigen Lebensraumansprüche haben ihn im Zeitraum von knapp 30 Jahren in vielen Teilen Deutschlands an den Rand des Aussterbens gebracht. In den neuen Bundesländern ist er nahezu flächendeckend, in Bayern mit Ausnahme von Unterfranken ebenfalls komplett verschwunden, in Niedersachsen ist er südlich des Mittellandkanals und östlich einer Linie Hamburg - Hannover nicht mehr vorhanden.

Die nächsten noch bestehenden Vorkommen von Wunstorf aus gesehen befinden sich in den nördlichen Ortschaften von Neustadt/Rbge., in der Weser- und Allerniederung bei Verden sowie an der Mittelweser zwischen Minden und Nienburg. Diese Vorkommen sind also nicht weit weg von Wunstorf, weshalb sich der NABU Wunstorf vorgenommen hat, den Steinkauz, von dem frühere Vorkommen aus den Bereichen Steinhuder Meer-Niederung, Leineniederung bei Luthe, aus Bordenau und bei Gut Düendorf bekannt sind, wieder anzusiedeln.

Ein schwieriges und langwieriges Unterfangen, ist der Steinkauz doch sehr Standorttreu und siedelt sich bevorzugt nur dort wieder an, wo auch bereits andere Steinkäuze in der Nähe leben, was ihm, so vermutet man, signalisiert, dass hier die Bedingungen für Steinkäuze gut sind. Für die Wiederansiedlung des Steinkauzes braucht man also einen langen Atem. Erfolgreiche Steinkauzwiederansiedlungen, so im westlichen Landkreis Oldenburg, haben oft erst nach drei Jahren die ersten Erfolge gezeigt, zudem darf man in seinen Bemühungen nicht nach lassen, weil z.B. die angebotenen Brutmöglichkeiten (Steinkauzröhren) auch in den Folgejahren gepflegt und ggf. ersetzt werden müssen.

Geeignet für Wiederansiedlungsprojekte sind vor allem Bereiche, in denen relativ kontinuierlich über das Jahr Viehbeweidung stattfindet. Besonders geeignet ist dabei Schafbeweidung, wenn für diese auch ein kleiner Unterstand gebaut wurde, der dann wiederum auch für die Anbringung einer Steinkauzröhre genutzt werden kann.

In Wunstorf kommen für eine Wiederansiedlung deshalb vor allem Bereiche mit Schaf-, Rinder-, Pferde- oder Ponyhaltung in Frage, so z.B. nördlich des Mittellandkanals am Weißen Damm, bei Gut Düendorf, in der Barne oder westlich der Kernstadt im Bereich zwischen Schützenplatz und Hagenburger Straße (Aueniederung Richtung Bokeloh).

Wer Tierhalter kennt, ist aufgerufen, dem NABU Kontakte zwecks Anbringung von Steinkauzröhren an Schaf-, Pferde- oder Ponyunterständen zu vermitteln.

Der Bedarf des Steinkauzes nach beweideten und dadurch kurzrasigen Flächen rührt von dem Umstand her, dass er unter den freilandbesiedelnden, also nicht auf Wälder spezialisierten einheimischen Eulen diejenige mit den kürzesten Beinen ist. Ist das Gras zu hoch, kann der Steinkauz dort keine Beute mehr fangen. Ersatzweise jagen Steinkäuze deshalb gelegentlich auch auf Sportplätzen, diese reichen aufgrund ihrer Eintönigkeit allein als Nahrungsrevier nicht aus. Bei kurzrasigen Weideflächen locken die vorhandenen Weidetiere und deren Hinterlassenschaften zudem auch größere Insekten an, die dann wiederum der Steinkauz fressen kann.

Hauptnahrung des Steinkauzes sind Mäuse und Regenwürmer, daneben bilden auch größerer Insekten und gelegentlich sogar Kleinvögel eine wichtige Nahrungsgrundlage.

Für die Jagd auf Mäuse benötigt der Steinkauz Ansitzwarten, gerne nutzt er dafür Weidezaunpfähle. Ein gutes Steinkauzrevier muss somit über entsprechende Sitzmöglichkeiten verfügen.

Regenwürmer dagegen fängt der Steinkäuze laufender Weise. Hierfür ist er dann auf die schon angesprochenen kurzrasigen Wiesen angewiesen.

In anderen Regionen Deutschlands ist der Steinkauz auch in abwechslungsreichen Ackerfluren, sofern diese durch die Vielfalt verschiedener Anbaupflanzen immer auch über Flächenanteile mit niedrigem oder gar keinen Bewuchs aufweisen, zu finden.

Ein wichtiger Lebensraum für Steinkäuze sind außerdem alte Obstgärten, wenn die Bäume Höhlen aufweisen, die als Brutraum, Tagesversteck und Nahrungsdepot dienen können und zwischen denen eine Viehbeweidung, bei Obstgärten z.B. Schafe, für die erforderliche Kurzrasigkeit sorgt.

Viele alte Obstgärten werden, wenn sie überhaupt noch vorhanden sind, jedoch heutzutage nicht mehr gepflegt und Viehbeweidung fehlt auf diesen Obstwiesen oftmals gänzlich. Viele Obstgärten die einst den Hauptlebensraum des Steinkauzes an Ortsrändern darstellten, wurden durch Neubausiedlungen oder Umfahrungsstraßen zerstört.

So wichtig Viehbeweidung für den Bestandsschutz des Steinkauzes ist, so groß ist gleichzeitig jedoch die Gefahr, dass Weidetiere bei fehlendem oder unzureichendem Baumschutz durch Verbiss und Zertreten der Wurzelbereiche die potentiellen Brutbäume des Steinkauzes mittelfristig zerstören. Unverzichtbar ist deshalb die Absicherung der Bäume auf den Weiden gegen Fraß- und Trittzerstörung durch Pferde, Rinder oder Schafe.

Ein Hauptproblem des Steinkauzes ist nämlich oft, dass trotz ansonsten vielleicht noch hinreichender Lebensraumbedingungen in manchen Regionen der Steinkauz trotzdem weitgehend verschwunden ist, weil mit dem Verlust von alten Obstbäumen, Kopfweiden oder auch alten Feldscheunen, die auch gerne von Steinkäuzen zum Brüten genutzt werden, Brutmöglichkeiten verloren gegangen sind, die der NABU heute durch das Anbringen von Niströhren zu ersetzen versucht.

Intakte Feldscheunen oder Viehunterstände haben zudem eine wichtige Bedeutung für das Überleben von Steinkäuzen im Winter, da der Steinkauz in diesen Scheunen auch bei hohen Schneelagen noch Mäuse fangen kann, die z.B. vom Heu für die Pferde angezogen werden. Das Verschwinden dieser Feldscheunen hat in Kombination mit einigen harten Wintern, vor allem der Schneekatastrophe 1978/79, zu einem massiven Bestandseinbruch in weiten Teilen Norddeutschlands geführt.

Die Klimaerwärmung und damit einhergehende mildere Winter könnten allerdings zumindest für den Steinkauz als ursprünglichen Steppenbewohner künftig von Vorteil sein. Die Chancen für eine Erholung der Bestände und eine Wiederansiedlung des Steinkauzes auch im Wunstorfer Raum sind also perspektivisch gut. Momentan scheint sich der Steinkauz auch in Niedersachsen wieder etwas zu erholen und leicht wieder auszubreiten, was der NABU Wunstorf durch das Anbringen von Niströhren unterstützen möchte.

Buchtipp für Kinder: Anne Möller: Familie Steinkauz, Verlag Atlantis, ISBN 3-7152-0506-7


... und hier gibt es eine Bauanleitung für eine Steinkauzröhre

Autor: Ralf Hoopmann (NABU Wunstorf)

(C) NABU-Gruppe Wunstorf 2010